Wenn schon Paulus, der Knecht Christi, immer wieder neuen Kindern das Leben schenkt, erfüllt vom brennenden Verlangen, dass Christus in ihnen Gestalt gewinne (vgl. Gal 4,19), um wie viel mehr dann Maria, die Mutter Christi! Paulus schenkte ihnen das Leben, indem er ihnen das Wort der Wahrheit verkündete, durch das sie wiedergeboren wurden.
Maria aber schenkte ihnen das Leben auf eine gottähnlichere und weit heiligere Weise, indem sie das göttliche Wort selbst gebar. An Paulus lobe ich den Dienst der Verkündigung, an Maria aber bewundere und verehre ich das Geheimnis der Mutterschaft. Bedenkt nun, ob nicht auch die Kinder ihrerseits ganz offensichtlich ihre Mutter erkennen: Getrieben von einem gleichsam angeborenen Vertrauen, rufen sie in allen möglichen Gefahren zuerst und ganz besonders ihren Namen an und flüchten sich zu ihr wie die Kleinen in die Arme ihrer Mutter. Deshalb halte ich es nicht für abwegig, dass auf diese Kinder angewandt werden kann, was durch den Propheten verheißen ist: „Deine Kinder werden in dir wohnen“ (Jes 62,5 LXX), ohne zu übersehen, dass diese Verheißung in erster Linie von der Kirche gilt. Denn schon jetzt wohnen wir im Schutz der Mutter des Allerhöchsten, wir sind unter ihrer Obhut geborgen, gleichsam „im Schatten ihrer Flügel“ (Ps 17,8). Dereinst werden wir durch die Teilnahme an ihrer Herrlichkeit Ruhe finden in ihren Armen. Dann werden alle sich freuen und wie aus einem Munde ihrer Mutter zurufen: „Wir alle freuen uns, denn unsere Wohnstatt ist in dir“ (vgl. Ps 86,4, LXX), heilige Mutter Gottes.