Adam von Perseigne

       Wir, die wir Wesen aus Fleisch sind, wollen uns heute dem fleischgewordenen Wort nähern, um dort das Fleischliche zu verlernen und zu lernen, wie wir allmählich vom Fleisch zum Geist übergehen können. Lasst uns nun hinzutreten, denn heute scheint eine neue Sonne, heller als die gewöhnliche.

Bisher war sie in Bethlehem in die Enge einer Krippe eingeschlossen und nur wenigen Menschen bekannt; heute jedoch wird sie in Jerusalem vor vielen Menschen im Tempel des Herrn dargestellt. Bis jetzt, Bethlehem, hast du dich allein an dem Licht erfreuen dürfen, das doch allen zuteilwerden soll; stolz auf ein Vorrecht von unerhörter Neuheit, konntest du mit dem Sonnenaufgang wetteifern, denn du warst ihm ähnlich in deiner strahlenden Pracht. Mehr noch – und das ist kaum zu glauben: In einer Krippe bei dir war mehr Licht, als die aufgehende Sonne in dieser Welt verbreiten kann. Warum hast du diese Strahlen, die für die ganze Welt bestimmt sind, so eifersüchtig gehütet? Nur einigen Hirten hast du dieses Licht gezeigt und nur drei Männer aus dem Orient hast du an der Krippe des neuen Lichts willkommen geheißen. Heute aber erhebt sich die Sonne, um die ganze Welt zu erleuchten; heute wird dem Tempel von Jerusalem der Herr des Tempels dargebracht. Wie glücklich sind diejenigen, die sich Gott in der Zurückgezogenheit eines friedvollen Herzens hingeben wie Christus, wie eine Taube! Diese sind reif, um mit Maria das Geheimnis der Reinigung zu feiern. […] Nicht die Mutter Gottes wurde an diesem Tag gereinigt, sie, die niemals der Sünde zugestimmt hat. Der von der Sünde befleckte Mensch ist es, der heute durch Christi Geburt und seine Darbringung gereinigt wird […]; unsere Reinigung ist es, die durch Maria erlangt wurde. […] Wenn wir die Frucht ihres Leibes gläubig in unsere Arme nehmen, wenn wir uns mit ihm im Tempel darbringen, dann wird uns das Geheimnis, das wir feiern, reinigen.

Quelle: Evangelizo

Zuletzt geändert: 2 February 2026