Beim Ausspruch des Propheten Jesaja: „Du ehrst den HERRN, wenn du deinen Fuß zurückhältst, deine Geschäfte […] zu machen“ (vgl. Jes 58,13) erkannte Gertrud, dass ein Mensch, der zuvor darüber nachdenkt, was er tun oder sagen wird, und seinen Drang zügelt, wenn er sieht, dass es keinen Nutzen bringt, einen dreifachen Gewinn daraus zieht.
Erstens […] wird ihm zuteil, in Gott die lieblichste Wonne zu finden. Zweitens werden schlechte Gedanken weniger Macht über ihn gewinnen. […] Drittens wird der Sohn Gottes ihm im Ewigen Leben einen besonderen Anteil an den Verdiensten seines heiligmäßigen Lebens geben, weil er jeder Versuchung mit beeindruckender Würde begegnete und sie glorreich besiegte. […]
Bei den Worten: „Siehe, Sein Lohn ist mit Ihm“ (Jes 40,10) erkannte sie, dass der Herr in Seiner Liebe selbst der Lohn Seiner Erwählten ist, indem Er sie mit so viel Milde überschüttet, dass eine Seele, die Ihn liebt, wahrhaft sagen kann, dass sie aus übergroßer Güte weit über ihren Verdienst hinaus belohnt wurde. „Sein Ertrag geht vor Ihm her“ (ebd.), bedeutet, dass eine Seele, die sich ganz der heiligen Vorsehung übergeben hat und in allem den Willen Gottes zu tun sucht, durch Seine Gnade bereits vor Gott vollkommen ist. […] Sie erkannte, dass jeder, der für alle seine Vergehen und Unterlassungen aufrichtig Buße tut und entschlossen ist, fortan den Geboten Gottes mit ganzem Herzen zu folgen, vor Gott wahrhaft geheiligt ist. […]
Bei dem Vers: „Singet dem Herrn ein neues Lied“ (Jes 42,10) verstand sie, dass jeder dem Herrn ein neues Lied singt, der mit Verlangen nach Hingabe singt, gerade weil er von Gott die Gnade dieses Verlangens empfangen hat, und so bereits erneuert, Gott angenehm sein wird.