Gibt es etwas Lächerlicheres als einen Christen, der sich nicht um andere kümmert? Nimm nicht deine Armut zum Vorwand: Die Witwe, die zwei kleine Münzen in den Opferkasten des Tempels warf (vgl. Mk 12,42), würde gegen dich aufstehen; ebenso Petrus, der zu dem Gelähmten sagte: „Silber und Gold besitze ich nicht“ (vgl.
Apg 3,6), und auch Paulus, der so arm war, dass er oft Hunger litt. Führe auch nicht deine Herkunft ins Feld, denn auch die Apostel waren einfache, kleine Leute. Berufe dich nicht auf deine Unwissenheit, denn auch sie waren ungebildete Männer. Selbst wenn du ein Sklave oder Flüchtling wärest, könntest du immer noch das tun, was in deiner Macht steht. So war es bei Onesimus, den Paulus lobend erwähnt (vgl. Phlm 11; Kol 4,9). Bist du von schwacher Gesundheit? Timotheus war es auch. Wer auch immer wir sind, jeder von uns kann seinem Nächsten nützen, wenn er wirklich bereit ist, das zu tun, wozu er imstande ist. Siehst du, wie kräftig, schön und hochgewachsen die Bäume des Waldes sind? Und doch bevorzugen wir in unseren Gärten Obst- oder Olivenbäume, die voller Früchte sind. Schöne, aber unfruchtbare Bäume […] gleichen Menschen, die nur ihre eigenen Interessen im Kopf haben. […]
Wenn der Sauerteig den Teig nicht aufgehen lässt, ist er kein echtes Ferment. Wenn ein Parfüm diejenigen, die sich nähern, nicht mit Wohlgeruch umhüllt, können wir es dann etwa als Parfüm bezeichnen? Sag also nicht, es sei unmöglich, einen guten Einfluss auf andere auszuüben; denn wenn du wirklich Christ bist, ist es unmöglich, dass deine Anwesenheit gar nichts bewirkt; das gehört zum Wesen eines Christen. […] Es wäre ebenso widersprüchlich zu behaupten, ein Christ könne seinem Nächsten nicht nützlich sein, wie der Sonne die Fähigkeit abzusprechen, zu leuchten und zu wärmen.